Musiktherapie LZH

Kinder und Jugendliche, die zusätzlich zur peripheren oder zentralen Hörstörung noch andere Probleme, wie Sprachentwicklungsstörungen, Entwicklungsverzögerungen, Wahrnehmungsstörungen, Lernprobleme, Aufmerksamkeitsstörungen oder auch psycho-soziale Probleme mitbringen, können in der Musiktherapie begleitet und erfolgreich behandelt werden.

In der Musiktherapie wird ein Raum geschaffen, in welchem das Kind vertrauensvoll sein Innenleben ausdrücken und sich selbstwirksam erleben kann und dabei durch die Musik sowie die Therapeutin Resonanz erfährt. Auf der Basis einer guten, ehrlichen, respektvollen Grundbeziehung soll die Persönlichkeit des Kindes mit seinen individuellen Ressourcen gestärkt werden.

Musik spricht alle Sinne an. Sie steht nicht im Widerspruch zu Hörbehinderung, sondern kann im Gegenteil als sehr wirksame Therapiemethode angewandt werden, indem die verschiedenen Zugänge zur Musik nutzbar gemacht und so körperlich spürbar und ganzheitlich erlebbar werden. Aus diesem Grunde ist gerade am LZH eine Musiktherapie mit multisensorischem Ansatz sinnvoll. Im Zentrum steht der Ausdruck über musikalische Mittel wie Rhythmus, Klang, Bewegung, Melodie sowie die Handhabung von Instrumenten und der Einsatz der eigenen Stimme.

Eine besondere Beachtung verdient der psycho-soziale Aspekt in der Musiktherapie. Ein von Geburt an hörgeschädigtes Kind erlebt teilweise den natürlichen, vorsprachlichen Dialog mit der Bezugsperson nicht in dem Ausmaß und der Klarheit wie ein gut hörendes. Dies kann zu Missverständnissen auf Grund unklarer Signale führen und sich infolgedessen ungünstig auf das Bindungsverhalten auswirken. Musik vermag es, ein “Angesprochen- und Angenommen-Werden” zu vermitteln und Kommunikationsprozesse auf einer sehr basalen, präverbalen Ebene in Gang zu bringen. Empathiefähigkeit, gegenseitiges Zuhören, Imitieren, vorsprachliche Dialoge sowie differenziertere Ausdrucksmöglichkeiten und ausgelöste Resonanz beim Gegenüber können erfahren und erprobt werden.

Durch den Einsatz von Körperinstrumenten wie der eigenen Sprech- und Singstimme können die Atmung sowie der gesamte Körper als Resonanzkörper bewusst erlebt und so die Körperwahrnehmung sensibilisiert werden. Darüberhinaus werden Rhythmus-, Melodie- und Harmonieinstrumente angeboten, die sogenannte Handlungsmedien, Brücken zwischen dem Innen und dem Außen, darstellen. Neben der Freude am Experimentieren und der Entfaltung von Kreativität können auch motorische Fähigkeiten wie bilaterale Integration, Hand-Hand-Koordination, Auge-Hand-Koordination, Körperspannung, Handlungsabläufe, Bewegungsdrang oder kinästhetische Wahrnehmung beobachtet oder gezielt geübt werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der Musiktherapie ist die Sensibilisierung der auditiven Wahrnehmung. Auch hier betrachtet man Musik immer als einen mehrkanaligen Sinnesprozess, woran auch Vibrationsempfinden und Körperrezeption beteiligt sind. Somit schließt die Musiktherapie sowohl die Förderung des Restgehörs und die Anregung des Hörorgans mit Hörsystemen mit ein, als auch das Aufzeigen neuer Wege des Musikerlebens (Musik genießen lernen, Musikalische Vorlieben entdecken, Erfahren von entspannender und anregender Wirkung, Gehör differenzieren, “Hörmusik” und “Fühlmusik”) sowie das Üben von bewussten Hörstrategien wie Filtern, Weg-, Hin-, Zuhören, Hördetektion und Hördiskrimination (Erkennen unterschiedlicher Klangfarben und Spielweisen, Richtungshören, Imitation von Lautstärke und Tempo) mit ein.

Auf tiefenpsychologischer Ebene nimmt sich die Musiktherapie der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes an. Hierunter fallen Begleitung in Krisensituationen, die Stärkung einer sozialen Identität und die Arbeit am „Selbst“ (Selbstvertrauen, Selbsteinschätzung, Selbstwert, Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit), aber auch Bewusstsein über sein Körperschema zu erlangen, die Förderung der Aufmerksamkeit oder die Verbesserung von Konzentration und Ausdauer.

Besonderes Augenmerk verdient der Aspekt des Sozialverhaltens. Kommunikative und empathische Fähigkeiten,  das Erlebnis gemeinsamen Schaffens, Anpassung und Abgrenzung können auf nonverbaler Ebene erlebt und spielerisch gefördert werden. Aber auch der Umgang mit Problemen wie Aggressivität oder geringe Frustrationstoleranz kann schon auf musikalischer Ebene verstanden und behandelt werden. Somit dient die Musiktherapie immer auch der emotionalen Regulation.